Muay Thai in Thailand: Phuket vs Koh Mak — A Reporter’s Training Diary
17 September 2026

This is actually more than a blog. It is an actual report about Muay Thai in Thailand, and it compares a little the vibes between Muay Thai in Phuket and Muay Thai on Koh Mak.
DIE ZEIT Nr. 38/2026, Seite 3 — „Urlaub mit Kick“, eine Reportage von Kristina Ratsch.
Die Tage vergehen in der immer gleichen Routine, verschwimmen zum Teil, sind aber auch gleichbleibend schön, es entsteht ein kleines eigenes Leben, das einfach so weitergehen könnte: Seilspringen, Schläge, Tritte, Schweiß, Eistee, Abkühlung im Meer, Seilspringen, Schläge, Tritte, Schweiß, Garküche, SpongeBob schauen und früh schlafen. Im Laufe der Woche stehen in meinem Trainingstagebuch immer mehr Korrekturhinweise zu Drehungen und Kombinationen, und den Muskelkater spüre ich nicht mehr, weil er normal geworden ist.
Nach zwei Wochen reise ich von Thailands Südwestküste Richtung Nordosten. Ein Schnellboot bringt mich durch vielfarbiges Blau auf die winzige Insel Ko Mak. Hier gibt es keine Partymeilen, kein Rotlicht, keine 24-Stunden-Supermärkte – eine angenehme Überraschung. In Restaurants und Strandbars mischt sich die Dorfgemeinschaft mit Besuchern zu einem lebendigen Gewimmel.
Auch hier, oder gerade hier, bleibe ich meiner Routine treu. Mit dem Roller fahre ich an Kautschuk- und Kokospalmenplantagen vorbei zum Gym. Die Trainer sind zwei Brüder, Kitikun und Kittisak. Sie stammen aus dem Isaan, einer Region im Nordosten Thailands mit einer langen Muay-Thai-Tradition.
Das Gym ist kleiner als das auf Phuket, nur ein Ring und eine Spiegelwand, ein paar Sandsäcke. Es gibt weniger Schüler, manchmal trainieren wir nur zu dritt oder viert mit den Brüdern. Ich bekomme viel erklärt, kann viel nachfragen, notiere mir viel ins Trainingstagebuch. Wenn ich später hineinschaue, sehe ich, wie viel ich inzwischen weiß – und habe trotzdem irgendwann das Gefühl, gar nichts mehr zu können. Das ist eine weitere Lektion: zu begreifen, wie hochkomplex dieser Sport eigentlich ist.
Eines Mittags reiße ich aus. Fahre mit dem Roller über die gesamte Insel. Von Küste zu Küste, immer wieder durch das üppige Grün des Inselinneren. An einem Strand mit nichts als einer Schaukel und vier Menschen in der Ferne lese ich den ganzen Nachmittag. Erst als eine Kokosnuss direkt neben mir herabstürzt, denke ich, es wird Zeit zu gehen. Zum Sonnenuntergang treffe ich Freunde am verlassenen Cinnamon Pier auf der Nordostseite. Wir sitzen auf dem Steg und sehen zu, wie sich zuerst einzelne Wolken und schließlich der ganze Horizont rosa und orange verfärben.
Als ich am nächsten Morgen wieder ins Gym komme und Kitikun mit gefalteten Händen begrüße, fragt er sofort: »Wo warst du gestern Mittag?« Ich erkläre: Strand, Freunde, Sonnenuntergang. »Aaaah«, sagt der Trainer unbeeindruckt. »Skipping.« Schon bin ich zurück in meiner Routine.
Die Beine sind ein bisschen weniger schwer heute, ich habe mehr Kraft und freue mich noch mehr als sonst auf die nächsten Stunden im Gym. Vielleicht ist ein freier Nachmittag schon Urlaub genug.